Hilfeseite
Hier findest Du einige Hilfestellungen , wie man versuchen kann sich nicht zu verletzen, Tipps zum Stimmungstagebuch und zur Wundversorgung. LG ELENA
Skills:
Wenn Du wieder Druck verspürst, Dich zu verletzen, kannst Du sog. Skills einsetzen. Skills dienen des Spannungsabbaus und auch der Ablenkung. Ich selber bin z.B. nicht von Eßstörungen betroffen, aber von anderen Mitpatientinnen aus der Klinik habe ich mitbekommen, dass diese Skills auch hierbei helfen sollen. Natürlich hilft nicht jeder Skill bei jedem Problem gleich gut und auch ist es von jeder Person selber abhängig, ob etwas wirkt oder nicht. Bei dem einen wirkt z.B. Ammoniak sehr gut, der andere baut da evtl. noch eine höhere Anspannung auf oder reagiert darauf nicht. Das ist völlig normal, denn es ist ja wie beim Essen: Der eine mag vielleicht gerne Marzipan, der andere kann es nichmal riechen, ohne dass ihm schlecht wird.
Also heisst es: Ausprobieren!
Dabei ist es wichtig, diverse Skills auch mehrmals anzutesten, denn gerade in der Anfangsphase, gibt's ja von der Wirkung her nichts besseres als die Selbstverletzung. Da ist es normal, dass dieser SvV-Ersatz nicht unbedingt so schnell und so gut wirkt, daher heisst es: üben, üben...
Wenn Mama ihr Kind mit dem Löffel füttert, dann ist das ja so schon einfach und geht viel schneller für das Kind...aber wenn es alleine essen muss, dann dauert's ja auch erstmal eine Weile, bis das gut klappt und der gewünschte Effekt (schnell satt werden) eintritt. Auch das will gelernt sein ;)
Einige von Euch kennen evtl. schon den einen oder anderen Skill; oft stolpert man ja schon darüber, wenn man sich ein wenig im Netz erkundigt.
Ich habe damals in der Klinik eine Liste mit Skills bekommen...die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Ihr findet sie zum downloaden am unteren Ende dieser Seite.
Ein paar wichtige und auch bekannte Dinge gebe ich Euch aber schon hier mit auf den Weg:
Die Skillliste: (oder ehr: meine persönlichen Lieblingsskills)
- kalt duschen
- Igelball kneten
- Ammoniak riechen (aber Vorsicht, die Flüssigkeit selber nicht berühren! *ätzend*)
- Chillischoten essen
- an Pfeffer riechen (der Niesreiz lenkt gut ab)
- Eispack verwenden (Vorsicht, bitte nicht zu lage auf einer Hautstelle lassen, öfters wechseln *Frostbeulengefahr*
- kaltes Wasser z.B. ins Gesicht, über die Arme oder Beine laufen lassen
- laut Musik hören ( und mitsingen)
- ein Tuch zerreißen
- Gedanken aufschreiben
- mit einem Gummi am Handgelenk schnipsen
- mit einem Stofftier knuddeln
- sich extrem bewegen (laufen, hüpfen, Treppen laufen...)

Was auch sehr wirksam ist, wenn man eine sog. Skillkette macht, d.h. man macht zwei oder mehrere Skills gleichzeitig oder nacheinander (z. B. sich mit ner Chillischote im Mund unter die kalte Dusche stellen oder Musik hören (evtl mitsingen) und gleichzeitig einen Igelball kneten).
Und da es einem ja nicht nur immer zu Hause schlecht geht, wäre auch eine Skilltasche nicht schlecht. Ihr besorgt Euch einfach (oder habt zu Hause was entsprechendes) eine Tasche, einen Rucksack oder ähnliches (der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt...) und befüllt sie mit Euren Skills. Wichtig ist dann nur noch, die Tasche auch dabei zu haben ;) So habt ihr iimer eine kleine Sicherheit dabei und könnt schnell etwas machen, bevor Euch die Anspannung über den Kopf wächst.
Als kleiner Tipp: Wenn es gerade ein blöder Zeitpunkt ist um solche evtl. auffälligen Skills zu machen (z.B. auf der Arbeit, in der Schule,...) dann kann man sich dafür auch meistens auch noch gut zurückziehen, z.B. aufs Klo oder soetwas.
Die Gedanken:
Man kann auch Skills mit Hilfe der eigenen Gedanken anwenden (Gedankenskills). Allerdings sind diese nicht so einfach zu erlernen, bzw. bedarf das echt langer Übung. Da ist auch wieder die Kreativität gefragt :)
Um hier mal ein paar Anregungen zu geben, liste ich mal eine Mini-Sammlung auf:
- Erstelle eine PRO-und-CONTRA- Liste, in der z.B. die Vor- und Nachteile des Selbstverletzens beschrieben sind. Wichtig ist nur, dass Du sie selber erstellst! Die eigenen Gedanken erfüllen hier den besten Zweck. Klar, Ideen kannst Du Dir holen, aber wenn Dir etwas nicht zusagt, hat es keinen Sinn dieses PRO oder CONTRA mit reinzunehmen. Nach einer Erstellung so einer Liste kannst Du (wenn Dir das unangenehm ist, dann lass es sein...wie gesagt, Du "kannst"..., nicht Du "musst") es auch mit jemanden besprechen wenn Du magst, wichtig ist aber hier das Vertrauen zu dieser Person.
--> so eine PRO-und-CONTRA-Liste ist auch auf andere Dinge übertragbar; z.B. bei Ängsten, Unsicherheiten u.v.m.
- Wenn es Dir gerade im Moment schlecht geht, dann versuche Dir vorzustellen, dass Du Dich jederzeit selbstverletzen kannst- Du kannst mit diesem Gedanken versuchen "es" hinauszuzögern. Sag Dir: "Ach, ich warte mal 5 min., schneiden kann ich mich später auch noch..." Und das kann man beliebig verlängern ;)
- Versuche an etwas angenehmes zu denken...nicht einfach so, sondern denke, dass Du Dich vielleicht belohnen könntest, wenn Du Dich nicht selbst schädigtst. Es muss nicht wer-weiss-was Ungewöhnliches sein, vielleicht einfach nur sich ein Eis gönnen oder eine nette Zeitschrift, ein schönes Bad oder ähnliches.
Spannungskurven und Diary-Cards:
Vielleicht hilft es Dir ja auch mal ein Stimmungstagebuch zu schreiben. In welcher Form auch immer; vielleicht einfach nur ein kleiner Text pro Tag in dem Deine Stimmungen beschrieben sind und bei welcher Situation Du Dich gut oder schlecht gefühlt hast. Das kannst Du in einem Vokabelheft unterbringen oder auch in einem gebundenem Buch oder auch tabellarisch eintragen. Vielleicht hast Du da ja schon schnell eine gute Idee und was Sympathisches für Dich gefunden. Anhand dieser Aufzeichnungen kannst Du nach einiger Zeit sehen, was Dir guttut und was nicht oder auch Situationen die einfach nur okay für Dich sind.
Vielleicht kannst Du auch mit in dieses Tagebuch reinschreiben, welchen Skill Du gemacht hast und wie der gewirkt hat. Oder auch kannst Du eintragen, dass Du keinen Skill angewendet hast und evtl. auch die Gründe dafür.
Ich selber schreibe meine Tagebücher in Tabellenform, das habe ich so aus der Klinik übernommen. Aber jeder sollte es so machen, wie er mag. Trotz alledem habe ich eine sog. "Spannungskurve" und eine "Diary-Card" für Euch zum downloaden erstellt. Einfach runterladen, ausdrucken und bei Belieben kopieren... ihr findet auch diese Sachen ganz unten auf dieser Seite! (gerade fertig geworden, schau doch mal, ob Du was davon gebrauchen kannst ;) )
...ist "es" doch passiert?
...sei nicht wütend auf Dich! Ich weiss, es ist leichter gesagt als getan...versuch es aber, ok? ;)
Dann kümmere Dich nun um entstandene Wunden, das solltest Du Dir wert sein! (ich merke gerade selber wie schwer mir das zu schreiben fällt...)
Wundversorgung:
Oberflächliche ("Ritz")-Wunden:
Handelt es sich um sehr oberfläche Wunden, empfiehlt es sich diese zu reinigen (mit 70%-igem Ethanol, Isopropanol u.ä. oder Hautdesinfektionslösung --> alles in der Apotheke zu bekommen) und sie - meiner Meinung nach - einfach an der Luft trocken und heilen zu lassen. Auch bei Schürfwunden, die nicht sehr tiefgängig sind, ist es am sinnvollsten sie unbedeckt zu lassen. Sind es doch grössere Flächen oder an einer störenden Stelle (wo man an irgendwas hägen bleiben könnte --> ich hatte mal eine Schürfwunde auf der Oberseite des Handgelenks und bin immer hängen geblieben, als ich mit der Hand in meine Hosentasche wollte), sollten diese Wunden nur leicht bedeckt werden, z.B. mit Luftdurchlässigem Material wie z.B. Kompressen. Diese sollten nach Möglichkeit steril sein. Ist die Wunde gut verschlossen (i.d.R. nach ein paar Tagen), dürfen die Kompressen auch unsteril sein. (Kompressen bekommst Du auch in jeder Apotheke)
Wichtig ist nur, dass Du bei jeder Art von Wunde keine Tempotaschentücher, Küchenpapier oder ähnliches verwendest! Es können ganz leicht Fusseln in die Wunde geraten, die man schlecht herausbekommt...und die Wunde entzündet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit. Also bitte Finger weg von solchen Sachen!!
Leichte Schnittwunden:
Diese sollten auch mit oben genannten Lösungen gereinigt werden. Hier empfiehlt es sich schon die Wunde mit Kompressen abzudecken. Wenn möglich, verwende Kompressen ( Wundauflagen) mit integriertem Pflaster, so dass Du die Wunde nicht verbinden musst. Das hält erstens besser (ist nur unangenehm beim Entfernen) und zweitens kommt besser Luft an die Wunde, was definitiv von Vorteil ist. Falls Du bei kleinen Wunden normale Haushaltspflaster verwenden möchtest, dann empfehle ich Dir welche zu nehmen, die nicht wasserfest sind (damit meine ich diese Plastikartigen), denn auch wieder aus dem Grund der Belüftung.
Tiefe und sehr tiefe Schnittwunden oder Stichwunden:
Bei klaffenden Wunden wäre es ratsam zum Arzt zu gehen oder ins Krankenhaus (Ins Krankenhaus kannst Du übrigens immer gehen, auch Nachts, an Feiertagen und Sonntags). Da sollte dann die Wunde genäht werden.
Scheue Dich nicht zum Arzt zu gehen! Auch wenn Du meinst die gucken blöd...dass sollte Dir in dem Moment egal sein, denn riesige Wunden hinterlassen auch entsprechende Narben, die mit langanhaltenden Schmerzen (bis zu einem Jahr, manchmal auch etwas mehr) verbunden sind (ich spreche da leider aus Erfahrung).
Der Arzt wird Dich auf jeden Fall fragen, was passiert ist, das muss er ja. Aber das sollte Dich nicht abschrecken!
Übrigens: Wenn Du notfallmäßig ins Krankenhaus musst oder zum Arzt, dann musst Du leider die 10 Euro Krankenkassengebühren bezahlen, also wenn Du Dich auf den Weg machst, dann denk daran, entsprechend ein wenig Geld mitzunehmen. Allerdings- so ist meine Erfahrung- machen auch einige Krankenhäuser die Behandlung auf Rechnung, so dass Du das Geld erst später zahlen kannst. Gehst Du zu einem Arzt, der Dich gut kennt, darfst Du sicherlich den Betrag auch nachzahlen. Auf jeden Fall vergiss Deine Versichertenkarte nicht!
Zur Erstversorgung solltest Du die Wunde verbinden (Kompressen, Wundauflagen), da ist sicherlich auch ein richtiger Verband hilfreich, zumindest, wenn die Wunde nicht nur tief, sondern auch relativ lang ist. Bei tiefen Wunden ist es besonders wichtig, darauf zu achten, dass man nicht zuviel Blut verliert, hier steht das Reinigen erstmal nicht unbedingt im Vordergrund, da die Wunden sich bei starken Blutungen selber reinigen und man bei der späteren Behandlung die Wunde sowieso gereinigt bekommt. Ist allerdings keine Lebensgefahr, dann ist für eine Reinigung sicherlich doch noch ein wenig Zeit.
Bei Verletzungen von größeren Blutgefäßen sollte ein Druckverband angelegt werden oder zur Not auch die Wunde zugedrückt werden, damit der Blutverlust nicht zu groß ist. Was allerdings zu vermeiden ist, ist das Abbinden von Extremitäten (also Arme und Beine) und anderen Körperteilen, dann lieber (krass gesagt) den Daumen draufhalten, ansonsten wird die komplette Durchblutung gestoppt, auch die von anderen Blutgefäßen, die noch in Ordnung sind; dadurch kann das gesamte Gewebe schon ziemlich in Mitleidenschaft gezogen werden!

Verbrennungen und Verbrühungen:
Als erstes sollte bei Verbrühungen oder Verbrennungen an denen die Kleidung nicht anhaftet, diese entfernt werden. Bei Verbrennungen, an denen noch Kleidung festklebt, diese auf keinen Fall entfernen, da man sich die Wunde nur noch weiter schädigt! Dies sollte nur ein Arzt machen. Was Du allerdings tun kannst ist, die Kleidungsreste mit einer Schere vorsichtig so abzuschneiden, dass Du das Kleidungsstück selbst ausziehen kannst, aber der eingebrannte Rest noch auf der Haut haften bleibt, so vermeidest Du unnötigen Zug an der Wunde.
Dann sollten Verbrennungen so schnell wie möglich gekühlt werden. Am besten geschieht das unter kaltem Wasser. Es lindert- zumindest minimal- den Schmerz (falls man welchen empfindet) und kühlt die Hitze herunter. Es ist kein Problem, die Stelle für eine halbe Stunde unter kaltem Wasser zu halten.
Zum Kühlen bitte nur Wasser verwenden, nichts anderes! Auch keine Kühlpacks, da das Gewebe sowieso schon geschädigt ist und man mit zu extremer Kälte noch mehr kaputt machen kann.
Verwende auch auf gar keinen Fall irgendwelche Salben, Puder oder irgendwelche anderen "Hausmittelchen", sie schaden nur unnötig. Wenn Du eine Salbe passend zu der Verbrennung haben möchtest, dann bitte nur über den Arzt, da er dir das Passende verschreiben kann!
Kleine Wunden kannst Du selbst versorgen, indem Du sie mit einer sterilen Kompresse abdeckst. Hier ist es sogar sehr Wichtig, dass die Wundauflage steril ist, da sich Verbrennungswunden extrem leicht entzünden können!
Bei grossen Wunden und starker Verbrennung (Blasenbildung, verkohlte Haut), decke die Wunde steril ab und geh zu einem Arzt! Mit solchen Verletzungen ist nicht zu spaßen.
Verätzungen:
Hier ist ähnlich zu Verfahren wie bei den Verbrennungen. Eventuelle Kleidung ausziehen und die verätzte Stelle gut mit Wasser abspülen, dabei darf das Wasser auch lauwarm sein, da die Wunde ja nicht gekühlt wird, sondern die ätzenden Stoffe verdünnt und ausgespült werden sollen.
Die Wunden sollten auch unbedingt mit sterilen Wundauflagen abgedeckt werden. Auch hier verwendet bitte keine "Hausmittelchen"!
Bei kleineneren Wunden reicht es schon, den kleinen Rat zu befolgen, bei größeren Wunden und auch sehr starken Verätzungen (in die Tiefe gehend), solltet ihr undbedingt zum Arzt.

Blaue Flecken:
Stumpfe Gewalt kann ganz schön schmerzhaft sein und auch ganz schön dicke Beulen machen. Hier ist es sinnvoll, die entsprechende Stelle zu kühlen. Wenn Du es mit Vorsicht genießt, dann darfst Du auch Eiswürfel oder ein Kühlpack verwenden. Aber wie gesagt- Vorsicht- nicht dass es zu Verkühlungen kommt. Da hilft es ein Handtuch oder ähnliches um die Eiswürfel oder den Eispack zu legen, damit kein direkter Kontakt zur Haut besteht.